Still loving the Highway
Blackfoot – Grünspan, Hamburg

Blackfoot, die 1970 gegründete, nimmermüde Southern Rock-Formation aus Jacksonville/FL tourte auch 2011 wieder durch europäische Konzerthallen. Am 24. April machten die vier US-Amerikaner Station in Hamburg, genauer im Grünspan – jenem alteingesessenen Club, der mit seinen Säulen und Stuckverzierungen Theatercharme verströmt und als Garant für eine exzellente Akustik gilt.

Als Special Guest gaben die Hamburger Nocturn, eine deutsche Institution in Sachen Südstaaten Rock, eines ihrer wenigen Konzerte. Schon mit dem Opener White Knuckle Ride zeigte sich Sänger Alfie Mizrahi stimmgewaltig, zog mit guter Laune und erkennbarem Spaß die Fans auf seine Seite. Gitarrenduelle, druckvoll-erdige Basseinlagen, dynamische Schlagzeug-Sequenzen – das sind die Kennzeichen der deutschen Country-Rocker. Mit ihren Interpretationen der Molly Hatchet-Klassiker Dreams und Flirtin‘ with Disaster huldigten sie der amerikanischen Southern Rock-Legende. Doch auch mit Eigenkompositionen wie T-Bird und Carolina vermochten sie zu überzeugen. Der gelungene Auftritt endete mit Last Thing I Ever Do und die Musiker wurden mit tosendem Applaus verabschiedet.

Blackfoot starteten ihr musikalisches Feuerwerk mit Good Morning, einem Kracher aus dem Jahr 1981. Gitarrist Mike Estes konnte auch als Sänger überzeugen und seine Fans auf Anhieb mobilisieren.

Good mornin’, so put a smile upon your face
Being alive is no disgrace
You can make it a better place,
By havin’ yourself a good mornin’…

Ein rundum geglückter Einstieg und schon der erste Refrain wurde vom Publikum begeistert aufgegriffen. Obwohl Big Chief Rickey Medlocke, der sich 1997 endgültig entschieden hatte, zu Lynyrd Skynyrd zu wechseln, von vielen Anhängern vor allem live auch heute noch schmerzlich vermisst wird, gelang es Gründungsmitglied und Leadgitarrist Charlie Hargrett, diese Lücke zu füllen – und nicht nur bei Wishing Well energiegeladene und brillante Solo-Akzente zu setzen. Gänsehautstimmung kam auf, als Bassist Greg T. Walker mit einer leidenschaftlichen Performance von Great Spirit seine indianischen Wurzeln beschwor – ein Eindruck der durch die vorangestellten Bass- und Schlagzeug-Soli noch intensiviert wurde. Die Setlist las sich wie ein Best-of aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte und mit Rollin‘ and Tumblin floss eine gesunde Portion Blues in die Darbietung. Das offizielle Programm endete mit dem Klassiker Highway Song, der durch seinen elektrisierenden Gesang, die wilden Gitarrenduelle und Drumbeats zum Highlight des Abends wurde. Die Zugabe Crossroads zeigte noch einmal, warum Blackfoot zur Blütezeit des Southern-Rock als die härtesten Vertreter des Genres galten. Die Fans dankten nach gut neunzig Minuten Spielzeit mit einem Applaus, der die 100 Dezibel-Marke sprengte.
Und passend zum Flair des Abends donnerte nach Konzertende eine Gruppe von Harley-Bikern mit röhrenden Motoren über die Reeperbahn…

Nocturn

Blackfoot

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