Party all Nite
ESP – Z7 Konzertfabrik, Pratteln

Am 30. März 2011 gastierte in der Konzertfabrik ein Paradiesvogel der Hardrock-Szene: Eric Singer, aktueller Schlagzeuger der US-amerikanischen Supergruppe KISS gab sich mit ESP – dem Eric Singer Project die Ehre. Zwischen Live-Auftritten und Studioterminen als trommelnde Katze der rockenden Schminkmasken gelang es dem rührigen Drummer, eine kleine Europatournee einzufädeln und diese mit seinen nicht minder glamourösen Musiker-Kollegen Bruce Kulick (ex KISS), Jon Corabi (ex Mötley Crue) und Chuck Garric (Alice Cooper) zu adeln.

Als Special Guest zogen Roadfever aus Lausanne das Publikum mit ihrer Leidenschaft für geradlinige Gitarrenstrukturen à la AC/DC rasch auf ihre Seite. Die Musiker um Sängerin Manou Pike haben sich dem klassischen Hardrock verschrieben, angereichert mit einer gehörigen Portion Biker- und Southern-Rock. Wüsste man es nicht besser, würde man die schmissigen Rocker geografisch eher in Georgia oder Louisiana ansiedeln denn in der französischen Schweiz, so authentisch wirkte die Performance der vier Waadtländer. Frisch und dynamisch präsentierten Roadfever nicht nur die Songs ihrer aktuellen, in Eigenproduktion herausgegebenen CD Wheels On Fire, sondern mit Born to be wild, perfekt ins Programm passend, auch die Mutter aller Biker-Hymnen. Die Fans dankten mit eifrigem Chorgesang und entließen die Schweizer nach ihrem knapp 45-minütigen Auftritt mit verdientem Applaus.

Fulminant legten ESP nach einer etwas zu langen Umbaupause mit dem KISS-Gassenhauer Strutter los – und verwandelten die Konzertfabrik in ein Tollhaus. Seinen Status als Ausnahmedrummer wusste Singer effektvoll zu bekräftigen, wobei ihn die präzise Schlagzeugarbeit keinesfalls am beherzten Background-Gesang hinderte. Unbedingt überzeugend auch Jon Corabi am Mikrophon, überraschend allerdings, dass kein Titel aus seiner Ära bei den Glam-Rockern von Mötley Crue Eingang ins Programm gefunden hatte.
Zum ersten Höhepunkt der Vorstellung wurde Domino, ein Stück aus dem Jahr 1992 – der unmaskierten Phase von KISS. Bruce Kulick, der bei den New Yorker Monsterrockern zu jener Zeit die Position des Lead-Gitarristen innehatte, vermochte heute nicht weniger als damals durch brillante Solo-Einlagen zu glänzen. Mit einer Version des gitarrenlastigen Yardbirds-Klassikers Shapes of Things huldigte man dem unlängst verstorbenen Gitarrenvirtuosen Gary Moore. Und einer weiteren Metal-Legende zollte man mit dem 1978er Meilenstein Long Live Rock’n‘Roll  an diesem Abend Tribut: Dem unvergessenen Ronnie James Dio.
An vorderster Bühnenfront gab Singer schließlich den Chartbreaker Beth zum Besten – an der verhaltenen Reaktion des Publikums unschwer als überflüssige, pianobemäntelte Herz-Schmerz-Einlage zu erkennen. Ganz anders der ebenfalls aus dem 1976er KISS-Album Destroyer stammende Kracher God of Thunder – die unbestrittene Krönung des Auftritts. Das energiegeladene Trommelspiel im Wechsel mit wilden Gitarren-Duellen ließ Gänsehaut-Stimmung aufkommen. Vollendet und umwerfend charismatisch dabei Chuck Garric in seiner Rolle als Bass spielender Donnergott.

Wie im Rausch zogen die Stücke vorüber und mit Nothin‘ to Lose endete ein grandioser Abend. Das Z7 erbebte. Sichtlich bewegt dankten die Musiker der tobenden Fangemeinde, verteilten großzügig Plektren und Schlagzeugstöcke. Gespannt darf man nun Chuck Garric’s erstem Solo-Album Barons entgegensehen, denn die überragende Leistung des Weltklasse-Bassisten stach selbst aus einem so illusteren Kreis wie dem heutigen  noch deutlich heraus.

Roadfever

ESP

Chuck Garric

 

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