Als am 18. September 1980 eine unbekannte britische Band die Bühne der Münchener Olympiahalle stürmt, ahne ich bereits, dass das Feuer, welches die jungen Wilden im Vorprogramm der etablierten Hardrock-Gruppe Kiss entzünden, sich schon bald zu einem weltumspannenden Flächenbrand auswachsen wird. Die Debütanten nennen sich Iron Maiden und gerade ist ihr Erstlingswerk unter dem gleichnamigen Titel erschienen. Noch deutet nichts auf die beispiellose Karriere hin, die vor ihnen liegt – und doch vollstrecken sie ihre Live-Auftritte in diesen frühen Tagen ihrer Laufbahn bereits mit einem Impetus, der seinesgleichen sucht.
Allzu rasch erfolgt der Aufstieg in die Riege der international agierenden Rock-Acts und fordert gegen Ende des Jahres 1981 – nach Veröffentlichung des Studioalbums Killers – schon den zweiten Tribut: Nach Gitarrist Dennis Stratton muss nun auch Sänger Paul Di’Anno seinen Hut nehmen, da er den hohen Anforderungen körperlich wie seelisch nicht mehr gewachsen ist. Von ihm übernimmt Samson-Frontman Bruce Dickinson das Mikrofon. Und genau dieser ist es, der mit seiner unverwechselbaren Stimme jenes Album einsingt, das der Band zu weltweitem Ruhm und dem ersehnten Durchbruch verhelfen wird: The Number of the Beast – eines der zentralen Werke der so genannten New Wave of British Heavy Metal und des Genres schlechthin.
1983 folgt das vierte Album Piece of Mind, das mit Platz 3 die Spitze der britischen Charts knapp verfehlt und bis heute eines der erfolgreichsten Iron Maiden-Alben überhaupt ist. Stücke wie das unverwüstliche The Trooper, das mitreißende Where Eagles Dare – das den Hörer von seinem furiosen Schlagzeug-Auftakt an förmlich absorbiert – oder die melodiös-gefällige Single-Auskopplung Flight of Icarus gelten als Klassiker des Heavy Metals. Eine Sternstunde seiner Kompositionskunst erlebt Bassist und Band-Chef Steve Harris zweifellos, als er das Sieben-Minuten-Stück To Tame a Land hervorbringt: Meisterhaft rahmt der für Iron Maiden so typische, vorwärts treibende Bass die verspielten Gitarrenpassagen ein und bereitet das Terrain für die signifikanten Gesangspartien, welche sich – einem fünften Instrument gleich – perfekt in die Gesamtkonstruktion einfügen.
Wie die Stilrichtung generell sehen sich auch die Musiker um Steve Harris in den frühen 1990er Jahren mit einem erheblichen Einbruch ihrer Popularität konfrontiert. So sind es nicht zuletzt die unerfreulichen äußeren Einflüsse, die einen regen Besetzungswechsel innerhalb der Gruppe bedingen. Die großen Erfolge der Vergangenheit drohen bereits in Vergessenheit zu geraten, als sich Bruce Dickinson und Adrian Smith 1999 entschließen, zu den einstigen Kollegen zurückzukehren. Interessanterweise spielen Iron Maiden seit dieser Zeit mit drei Gitarristen.
In den folgenden Jahren kämpfen sich die Briten langsam, aber stetig an die Spitze zurück, werden auf ihren Tourneen von Hunderttausenden gefeiert. Mit The Final Frontier wird in Kürze ihr 15. Studioalbum erscheinen – und wieder wird das schaurige Konterfei von Zombie Eddie, dem Aushängeschild der Band seit nunmehr drei Jahrzehnten, das Cover der CD zieren. Tot(gesagt)e leben wohl tatsächlich länger…
Mein Prädikat: Epochal
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