Die Müdigkeit der Krieger:
Manowar-Konzert am 31.01.2010 im Kölner Palladium

Ihre als World Tour 2010 angekündigte Konzertreihe “Death To Infidels” führte die US-amerikanische Band Manowar im Januar durch deutsche Konzerthallen. In Köln hinterließen die Mitbegründer des Heavy Metal einen eher zwiespältigen Eindruck.

Der Programmeinstieg mit Call to Arms, einem Stück aus dem Jahr 2002, überraschte, hatte sich seit der ersten Tournee der Band im Jahr 1984 doch der Titelsong Manowar  als Opener und fester Bestandteil jeder Live-Show etabliert. Ob aus Verwunderung über den unerwarteten Auftakt oder aus genereller Unlust – echte Stimmung wollte unter den rund dreitausend Besuchern des Palladiums auch beim nächsten Song Hand of Doom  nicht aufkommen. Erst der Gassenhauer Kings of Metal  brachte Bewegung bis in die hinteren Reihen des Publikums, welche mit dem nächsten Titel God or Man  aus der im letzten Jahr veröffentlichten Maxi-CD bereits wieder abflaute. Auch weitere Stücke derselben EP ernteten auffällig wenig Beifall. Die Zurückhaltung der Zuschauer lässt sich aber nicht allein durch mögliche Vorbehalte gegenüber dem aktuellen Songmaterial erklären.

In ihrer dreißigjährigen Geschichte als Profimusiker haben die selbsternannten Könige des Heavy Metal, allen voran Bassist und Bandchef Joey DeMaio, kein Klischee ausgelassen, um sich ihren Platz auf dem Musiksektor zu sichern: Man unterzeichnete Plattenverträge mit Blut, kreuzte Holzschwerter auf der Bühne und besang Frauen als Sex-Sklavinnen. Die vornehmlich männliche Anhängerschaft folgte ihren Idolen zum Dank für diese Heldentaten treu ergeben durch die Jahrzehnte. Das aktuelle Album Gods of War  aus dem Jahr 2007 stieß erstmals auf geteilte Meinungen innerhalb der Fangemeinde. Von fehlender Weiterentwicklung und mangelnder Kreativität war plötzlich die Rede. Die Songauswahl der Live-Konzerte wurde in den Blogs der Szene häufig als veraltet kritisiert.
          Die Band hat diese Vorwürfe offenbar ernst genommen und die Setlist ihrer Auftritte grundlegend verjüngt – auf alte Hits wie Fighting the World, Heart of Steel  und Battle Hymn  wartet man nun vergeblich. Gewisse Show-Bestandteile wurden trotz aller Bereitschaft zur Veränderung jedoch beibehalten: Neben des Bandleaders Pöbeleien gegen die Feinde des “True Metal” blieb auch das Vorführen einiger Damen aus dem Publikum, die sich auf der Bühne fröhlich ihrer Oberteile entledigen, im Programm. Doch was früher allenfalls ein mildes Lächeln hervorrief, stieß in Köln auf offene Ablehnung. “Seit 25 Jahren derselbe Mist”, beschwerte sich ein aus Bayern angereister Besucher, “merken die eigentlich nicht, dass das keiner mehr sehen will?” Die Reaktion auf Joey DeMaios notorischen Death-to-false-Metal-Sermon mit anschließender Dosenbier-Dusche fiel nicht weniger deutlich aus, was wohl beweist, dass die Darbietung über die Erneuerung der Setlist hinaus dringend weiterer Anpassungen bedarf.
Mit dem Speedmetal-Stück Black Wind, Fire and Steel  endete die Show. Trotz ordentlicher Soundqualität und großer Professionalität der Band überwogen die Stimmen enttäuschter Besucher beim Verlassen der Halle.
Fragt sich, was Manowar im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres gegenwärtig falsch machen. Schließlich sind sie nicht die Einzigen, die den Planeten mit kriegerischen Metal-Parolen überziehen. Aber verglichen mit ihrer Konkurrenz, die vornehmlich aus Skandinavien stammt, wirken sie dabei weit weniger authentisch: Auf der Bühne des Palladiums standen heute vier müde Krieger, die sich mühsam durch ihr Programm kämpften. Echte Heavy Metal-Helden sehen anders aus. Mit dieser Erkenntnis versinken auch die farblosen Auftritte der beiden Vorgruppen Metalforce und HolyHell in der Bedeutungslosigkeit.

Die Europa-Tour 2010 haben Manowar mit ihrem Konzert in Köln beendet. Für den Sommer sind weitere Auftritte im europäischen Ausland geplant: So werden sie unter anderem am 11. Juli 2010 als Headliner auf dem Magic Circle Festival in Tolmin (Slowenien) auftreten.

Tickets für die Veranstaltung sind über www.metalcamp.com erhältlich.

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