“Doch bevor ich die Zeichen der Zeit noch einer umfassenden Analyse unterziehen konnte, machte ich endgültig schlapp.”
Mittvierzigerin Linda Kunze, erfolgsverwöhnt und ehrgeizig, beschließt ihrem Burnout die Zähne zu zeigen und ihr Heil im Journalismus zu suchen. Angefeuert von ihrer chaotischen Schwester Mariella findet sie sich unverhofft als Inhaberin eines Musikblogs wieder. Fortan stehen Heavy Metal Konzerte anstelle von Budgetrunden auf ihrer Tagesordnung…
Über fünfzig Alben aus vierzig Jahren Rockgeschichte habe ich im Metal Diary in den letzten Monaten besprochen. Wild entschlossen, einem musikalischen Stiefkind die Beachtung zu schenken, die ihm die Tagespresse beharrlich verweigert. In eine wahrhaft laute Reise habe ich mich gestürzt. Sie entpuppte sich als kurzweiliger und belebender als ich mir jemals erträumt hätte. Jetzt ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen und neue Ideen wachsen zu lassen. In die betörende Leichtigkeit eines Faithless einzutauchen und zu den düster-prophetischen Klängen von E Nomine der Apokalypse entgegen zu tanzen. So will ich heute zum letzten Mal mein metallenes Tagebuch öffnen – um es mit Z wie Zed Yago für immer zu schließen.
In den vergangenen Wochen erschien es beinahe anstößig, das Netz mit launigem Heavy Metal-Geplauder zu versorgen, während die Welt in einen Strudel verheerender Katastrophen und Konflikte gerissen wurde. Dem unermesslichen Leid die Besprechung musikalischer Erzeugnisse gegenüberzustellen geriet zum Antagonismus moralischer Integrität, sich auf die Neuveröffentlichungen von Amon Amarth oder Krypteria zu konzentrieren, mutete angesichts der bestürzenden Nachrichten grotesk an. Doch allzu schnell verblassen die Schicksale hinter den schrecklichen Bildern, werden die Eindrücke zu einem flüchtigen Teil unseres täglichen Einerleis.